Ratgeber

Einzelunternehmen oder GmbH? Die Entscheidung für Österreich

Der erste größere Auftrag steht im Raum, und plötzlich wirkt das Einzelunternehmen unprofessionell. Meistens ein Denkfehler: Die Rechtsform ist ein Werkzeug, keine Frage des Ernstnehmens.

Kurz gesagt

Es gibt keine allgemein richtige Antwort, nur eine, die zu Ihrer Situation passt. Die Entscheidung hängt vor allem an drei Fragen: wie groß Ihr Haftungsrisiko ist, ob Sie allein gründen oder von Anfang an Platz für einen Mitgesellschafter oder Investor brauchen, und wie viel Gewinn Sie tatsächlich im Unternehmen behalten. Für die genauen aktuellen Zahlen gehört am Ende immer ein Steuerberater oder das WKO Gründerservice dazu, dieser Artikel ersetzt das nicht.

Die Frage kommt fast immer an derselben Stelle: Der erste größere Auftrag steht im Raum, oder ein Bekannter erzählt von seiner GmbH, und plötzlich wirkt das Einzelunternehmen wie die unprofessionelle Variante. Meistens ist das ein Denkfehler. Die Rechtsform sagt nichts darüber aus, wie ernst Sie Ihr Geschäft nehmen, sie ist ein Werkzeug mit Vor- und Nachteilen, die sich je nach Situation unterschiedlich auswirken.

Der Kern des Unterschieds

Als Einzelunternehmer sind Sie und Ihr Unternehmen rechtlich eine Person. Das macht den Start einfach und günstig, bedeutet aber auch, dass Sie mit Ihrem gesamten Privatvermögen haften, wenn etwas schiefgeht. Eine GmbH ist eine eigene juristische Person, die grundsätzlich nur mit ihrem eigenen Vermögen haftet, was Sie im Ernstfall schützt. Dafür zahlen Sie mit mehr Verwaltungsaufwand, höheren laufenden Kosten und weniger Flexibilität beim Zugriff auf das Geld im Unternehmen. Ein Einzelunternehmen hat außerdem immer nur einen Inhaber: Wollen Sie von Anfang an oder später einen Mitgesellschafter oder Investor aufnehmen, brauchen Sie dafür eine GmbH oder eine Personengesellschaft wie eine OG oder KG.

Wann das Einzelunternehmen die bessere Wahl ist

Das Haftungsrisiko hängt stark von der Branche ab. Im Handel oder am Bau geht es oft um hohe Vertragswerte, Sachschäden oder Gewährleistung, entsprechend hoch ist dort das Risiko. Bei reiner Dienstleistung, etwa Beratung, Coaching oder Wissensarbeit, ist es meist deutlich niedriger, auch wenn es am Ende immer auf das konkrete Geschäft ankommt. Ist Ihr Haftungsrisiko überschaubar, überwiegt beim Einzelunternehmen meist der Vorteil der Einfachheit. Sie kommen schneller in Gang, haben weniger laufende Fixkosten, und der administrative Aufwand bleibt überschaubar. Gerade am Anfang, wenn noch unklar ist, ob und wie das Geschäft trägt, ist das ein echter Vorteil.

Wann sich eine GmbH lohnen kann

Die Abwägung kippt typischerweise, wenn eines von mehreren Dingen zutrifft: Sie tragen ein reales Haftungsrisiko, etwa weil Sie Verträge mit hohen Werten eingehen oder Fehler teure Folgen hätten. Sie planen, deutlich mehr zu verdienen, als Sie privat zum Leben brauchen, und wollen Gewinne im Unternehmen belassen und dort steuerlich günstiger stehen lassen, statt alles sofort privat zu versteuern. Sie wollen Investoren, Mitgesellschafter oder größere Geschäftspartner an Bord holen, denen eine GmbH-Struktur wichtiger ist als ein Einzelunternehmen. Oder Sie machen viele Geschäfte mit größeren Mittelstandsunternehmen und Konzernen, die aus eigener Absicherung lieber mit einer GmbH kontrahieren, besonders in Branchen mit hohem Ausfallrisiko wie dem Baugewerbe.

Keiner dieser Punkte allein ist automatisch ein Muss, aber je mehr davon zutreffen, desto eher lohnt sich der Mehraufwand.

Zwei weitere Situationen sind einen eigenen Gedanken wert. Wenn Sie schon einmal gegründet haben und wissen, dass Sie es wieder tun werden, spricht das eher für die GmbH von Anfang an, besonders wenn Ihr erstes Unternehmen ebenfalls eine GmbH war und eine Holding-Struktur infrage kommt, um Vermögen zu bündeln und steuerlich zu optimieren. Und wenn Sie beim Start schon daran denken, das Unternehmen irgendwann zu verkaufen, lohnt sich der Gedanke früh: Ein Einzelunternehmen können Sie nicht als Ganzes verkaufen, nur einzelne Vermögenswerte wie Kundenstock oder Ausstattung übertragen. Eine GmbH schon, indem Sie einfach die Anteile verkaufen.

Was oft unterschätzt wird

Eine GmbH bedeutet laufende Buchhaltungs- und Bilanzierungspflichten, die spürbar teurer sind als die einfache Einnahmen-Ausgaben-Rechnung eines Einzelunternehmens. Außerdem ist das Geld in der GmbH nicht einfach Ihr Geld: Sie können es sich nicht beliebig entnehmen, sondern brauchen dafür ein Gehalt, eine Gewinnausschüttung oder andere formale Wege, die selbst wieder steuerlich relevant sind. Wer das unterschätzt, erlebt die GmbH oft als bürokratischer und unflexibler, als er erwartet hatte.

Wie Sie es angehen

Fangen Sie nicht mit der Rechtsform an, sondern mit drei ehrlichen Antworten: Wie hoch ist mein realistisches Haftungsrisiko in diesem Geschäft? Wie viel Gewinn erwarte ich in den nächsten zwei bis drei Jahren, über meinen eigenen Lebensbedarf hinaus? Und will ich allein gründen, oder soll von Anfang an Platz für einen Mitgesellschafter oder später einen Investor sein? Mit diesen drei Antworten wird das Gespräch mit einem Steuerberater deutlich konkreter, und die Entscheidung fällt leichter, weil sie auf Ihrer tatsächlichen Situation basiert statt auf dem, was gerade professioneller klingt.

Und ein Einzelunternehmen ist keine Einbahnstraße. Viele starten dort und wechseln später in eine GmbH, wenn das Geschäft die entsprechende Größe erreicht hat. Der frühe Start muss nicht die endgültige Form sein.

Neben Einzelunternehmen und GmbH gibt es inzwischen weitere Rechtsformen wie die FlexCo, die für manche Situationen ebenfalls passen können. Das würde hier zu weit führen, ist aber einen eigenen Blick wert, wenn Sie ohnehin mit einem Steuerberater sprechen.

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Häufige Fragen

Ist eine GmbH automatisch seriöser?
Nicht automatisch, aber es kommt darauf an, mit wem Sie Geschäfte machen. Für die meisten Kunden zählen Ihre Arbeit, Ihre Kommunikation und Ihre Referenzen mehr als die Rechtsform im Impressum, und viele sehr erfolgreiche Einzelunternehmer wirken professioneller als manche GmbH mit dünner Substanz dahinter. Bei größeren Mittelstandsunternehmen und Konzernen sieht es teils anders aus: Manche kontrahieren aus eigener Absicherung lieber mit einer GmbH als mit einer Einzelperson, besonders in Branchen mit hohem Ausfallrisiko wie dem Baugewerbe.
Wie viel kostet eine GmbH in Österreich ungefähr?
Als grobe Orientierung: Der Jahresabschluss kostet bei den meisten Steuerberatern zwischen 2.000 und 2.500 Euro. Dazu kommt die laufende Buchhaltung, die oft bei etwa 300 Euro pro Quartal beginnt und mit steigender Beleganzahl und Komplexität auf 500 Euro oder mehr wachsen kann. In Wien liegen die Sätze tendenziell über denen in anderen Bundesländern. Das sind Richtwerte, keine verbindlichen Zahlen, und sie ändern sich. Für Ihre konkrete Situation gehört das in ein Gespräch mit einem Steuerberater oder zum WKO Gründerservice.
Kann ich später von Einzelunternehmen zu GmbH wechseln?
Grundsätzlich schon, aber es ist kein einfacher Wechsel des Etiketts. Rechtlich handelt es sich um eine Einbringung: Die GmbH übernimmt das bestehende Einzelunternehmen beziehungsweise dessen Wert, und das ist mit echtem Aufwand und eigenen Kosten verbunden, nicht nur mit einem Formular. In der Dienstleistung lässt sich das manchmal etwas einfacher gestalten, etwa indem neue Aufträge über die GmbH laufen, während alte Verträge im Einzelunternehmen auslaufen. Aber auch das ist im Detail eine Frage für den Steuerberater, keine, die man nebenbei entscheidet.